Sehr geehrte Frau Bundesministerin Eva-Maria Holzleitner,
der Verband der Professorinnen und Professoren der österreichischen Universitäten (UPV) dankt Ihnen herzlich für Ihre Mitwirkung und Ihr Engagement bei der Trilateralen Tagung der Hochschulverbände Deutschlands, der Schweiz und Österreichs an der TU Graz. Mit diesen Tagungen, die abwechselnd in den drei Ländern stattfinden, beleuchten die Professorenverbände verschiedene hochschulpolitische Themen im internationalen Kontext. Die diesjährige Tagung wurde zum Thema der „Hochschulstrategie 2040“ ausgerichtet.
Bedauerlicherweise war die Zusammenarbeit zwischen Bundesministerium und Hochschulen in den letzten Wochen von Debatten zur Kürzung des Budgets für die Dreijahresperiode 2028 – 2030 überschattet. Nicht nur die inflationsbedingte indirekte Budgetkürzung über drei Jahre, auch eine nominelle Reduktion wurde in den Raum gestellt.
In Ihrem Einleitungsreferat haben Sie betont, wie wichtig Ihnen die Qualität der forschungsgeleiteten Lehre und insbesondere die Universitäten und deren Entwicklung sind. Um erfolgreich sein zu können, benötigen Wissenschaft und Lehre aber Kontinuität. Schwankende Finanzierung macht jede strategisch sinnvolle Entwicklung unmöglich. Erst nachdem man sich über Ziele geeinigt hat, kann man über deren finanzielle Umsetzung diskutieren.
Sehr schön ist dies in der Neuauflage des Gesamtösterreichischen Universitätsentwicklungsplans (GUEP) 2028 – 2033 formuliert: “Um die angestrebten Zielsetzungen zu erreichen, ist eine adäquate Finanzierung erforderlich. Nur so können die erfolgreichen Entwicklungen der letzten Jahre in Lehre und Forschung sowie in der Erschließung und Entwicklung der Künste (EEK) langfristig gesichert, begonnene Programme fortgeführt und neue Zielsetzungen auf eine solide finanzielle Basis gestellt werden.”
In Anlehnung an den GUEP kann festgehalten werden, dass die wesentlichsten Aufgaben der Universitäten Lehre, Forschung bzw. Entwicklung und Erschließung der Künste und Dritte Mission sind. Digitalisierung und andere Innovationen ebenso wie die sich wandelnden Bedürfnisse der Gesellschaft, bedingt durch Herausforderungen wie die Klimakrise, geopolitische Konstellationen, sozioökonomische Entwicklungen und gesellschaftliche Polarisierung, haben den Anspruch an die universitäre Lehre in den vergangenen Jahren verändert.
Forschungsgeleitete Lehre soll Studierende zusätzlich zur Wissensvermittlung und Berufsausbildung befähigen, als mündige Bürger:innen in der Gesellschaft zu wirken, die ihr Denken und Handeln kritisch reflektieren. Exzellente Forschung, ebenso wie die Entwicklung und Erschließung der Künste, sind die Grundlagen für eine prosperierende Wirtschaft und eine inklusive Gesellschaft. All dies ermöglicht die Offenheit und demokratische Ausrichtung unseres Landes, stärkt Forschung und Innovation und schafft im Kontext einer wissensbasierten Ökonomie die Voraussetzung für eine positive gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung.
Forschung kann langfristig nur fruchtbar sein, wenn sie im Austausch zwischen den Generationen organisatorisch innerhalb der Universitäten verankert ist. Wir sollten daher den Drang zu außeruniversitären Forschungseinrichtungen limitieren und die Kooperation zwischen Universitäten und außeruniversitären Einrichtungen stärken. Auch das internationale Ranking der Universitäten würde dadurch erheblich verbessert.
Im Rahmen der Dritten Mission kommen die Universitäten entsprechend ihrem jeweiligen Profil der Verantwortung nach, eine aktive Rolle in der Gesellschaft und der Wirtschaft ihrer Region, einzunehmen.
Ein zentrales Thema, wenn es um zukünftige Strategien geht, ist die Fokussierung der Fächer. Wie oft sollen einzelne Studien in Österreich angeboten werden? Hier ist der Dialog mit den Universitäten gefordert, um einen geeigneten Weg zu definieren. Auch eine höhere Verbindlichkeit im Studienrecht wie z.B. eine reduzierte Anzahl der Prüfungsantritte würde Ressourcen freisetzen.
Eine Effizienzsteigerung ließe sich darüber hinaus im Bereich des Technologietransfers erzielen, indem Universitäten intensiver miteinander kooperieren und von transferstarken Universitäten lernen. Die industrielle Sichtweise sollte stärker berücksichtigt, und die Möglichkeit der steuerlichen Begünstigung von Donatoren und Stiftungen ausgebaut werden. Ganz wesentlich ist eine rechtliche Bindung von Rentenfonds, einen Anteil des Kapitals in Start-Up Fonds zu investieren, wie dies in mehreren Ländern bereits mit großem Erfolg umgesetzt wird.
In der Aufteilung und Abgrenzungen der Aufgaben im tertiären Bereich liegt ebenfalls großes Potential. Anstatt eine Angleichung der Aufgaben anzustreben, sollten sich die verschiedenen Bildungsinstitutionen auf ihre jeweiligen Stärken und Alleinstellungsmerkmale konzentrieren und ihre Angebote an die jeweilige Zielgruppe anpassen. Das Promotionsrecht sollte ausschließlich an den Universitäten verankert bleiben. Die Schweiz hält diese Trennung und Fokussierung konsequent ein und ist damit im Wissenschaftsbereich äußerst erfolgreich, obwohl sie relativ zur Bevölkerung deutlich weniger Studierende hat. Verbunden ist dies mit einem gesellschaftlich höheren Stellenwert der handwerklichen Ausbildung.
Mit insgesamt 77 Institutionen im tertiären Bereich ist die österreichische Hochschullandschaft deutlich kleinteiliger als in vergleichbaren Ländern. Sehr klar wird dies im Impulspapier „Zusammenschlüsse von Hochschul- und Forschungseinrichtungen: Mögliche Effekte für Forschung, Lehre, Wissenstransfer und internationale Sichtbarkeit“ von Jürgen Janger unter Mitwirkung des ehemaligen Rektors der Universität Wien, Georg Winckler, dargestellt, wo u.a. die Abtrennung der Medizinischen Hochschulen im Jahr 2004 kritisiert wird. Gemeinsam würden die Universität Wien und die Medizinische Universität Wien in den wichtigsten Rankings eine Position nahe 50 erreichen.
Nach Analyse der Rolle und Finanzierung der Privatuniversitäten könnten manche, insbesondere solche, die aus öffentlichen Geldern finanziert werden, in bestehende Einrichtungen eingegliedert werden.
Nicht nur durch Zusammenlegungen ließe sich mehr Effizienz gewinnen, sondern auch durch die Bildung von Universitätsverbünden, wie es die Beispiele der Paris Sciences et Lettres University oder der Berlin University Alliance zeigen.
Die Pädagogischen Hochschulen sollen wie andere Hochschulen eigenständige Institutionen sein und Autonomie besitzen.
Wir haben einige hochschulpolitische Themen schlaglichtartig beleuchtet und hoffen, diese Punkte gemeinsam mit Ihnen in eine strategische Diskussion einzubringen und einem Konsens näherzubringen.
Für Präsidium und Vorstand des UPV Österreich
Bernhard Keppler, Vorsitzender
Harald Kainz, Vorsitzender des UPV der TU Graz
Wien, im Juni 2026


